Unter uns hab ich mit Mobland gerechnet wie mit einem weiteren Guy Ritchie-Abklatsch. Ihr wisst schon: coole Sprüche, schräge Gangster, viel Stil, wenig Substanz. Aber was ich bekommen hab, war dan doch irgendwie anders. Und das hat mich überrascht.
Zuerst zur Sache: Die Serie wurde zwar mit dem Namen Guy Ritchie beworben, ist aber eigentlich das Werk von Ronan Bennett (ja, der von Top Boy). Ritchie war nur bei den ersten zwei Episoden Regie-führend dabei, den Rest übernahmen andere. Und trotzdem, der Einfluss bleibt spürbar, vor allem in den schwarzhumorigen Momenten, die wie kleine Ventile wirken in einem sonst ziemlich angespannten Gefüge.
Denn Mobland ist kein stylisches Krimi-Fest, sondern eher ein melancholisches Familiendrama im Gangstermilieu. Tom Hardy steht im Zentrum: wortkarg, strategisch, innerlich aufgerieben. Seine Figur ist kein brutaler Schläger, sondern ein Mann mit Plan, der versucht, eine zerfallende Familie zusammenzuhalten. Ein bisschen wie ein Vater, der beim Sonntagsessen die Eskalation verhindern will, während Helen Mirren im Nebenraum Zunder legt.
Die Serie lebt von dieser ständigen inneren Spannung. Und von Helen Mirren, ihre Figur hat mich gleichzeitig fasziniert und abgestoßen. Man will ihr widersprechen, gleichzeitig versteht man, warum sie so ist. Pierce Brosnan bleibt da fast im Schatten.
Was mir besonders aufgefallen ist: Mobland traut sich, langsam zu sein. Es hetzt nicht. Stattdessen beobachtet man, wie das Familiensystem langsam in sich zusammenfällt. Und obwohl die Charaktere schwer zugänglich sind, entwickelt man ein gewisses Verständnis. Oder wenigstens Neugier.
Es ist keine Serie für nebenbei. Sie verlangt Konzentration. Und Geduld. Dafür bekommt man aber ein Stück Fernsehen, das mehr ist als bloß Unterhaltung. Mobland lohnt sich. Aber nur, wenn man bereit ist, sich wirklich drauf einzulassen.
